Olaf Probst
vorgestern wird heute übermorgen gewesen sein
Palindromschleifenzeichnungen

Olaf Probst Galerie Chr. Pixis

Zur Eröffnung der Ausstellung – Freitag, dem 26. März 2010
von 18 bis 21 Uhr – sind Sie und Ihre Freunde herzlich eingeladen
Es spricht: Claudia Fischer


Zur Ausstellung jüngst erschienen:
McLoop Magazine 3, CHINA FORM - FROM CHINA
Gutleut Verlag Frankfurt am Main und Weimar, 2009





Am 7. Mai 2010 um 19 Uhr
Boxen-Zeige-Performance Nr. 13 von Olaf Probst und Michael Wagener
nebst
Der ganze Vortrag, vorgetragen von Claudia Fischer
Ausstellungsdauer: 27. März bis 29. Mai 2010



GESINE BRAUN
SIE WIRD DEIN SPIEGEL SEIN



JIRKA PFAHL
it's all cool
Dauer der Ausstellung: 23. Oktober bis 12. Dezember 2009 

BURKHARD VON HARDER
"Morto in Italia" 2006/2007 Grab-Bildnisse aus Venedig, Sardinien und Palermo
ROCCO PAGEL "Spaziergang"
Kleine Wolkenbilder und Landschaften, 2009
Dauer der Ausstellung: 29.09. - 17.10.2009

LUDI ARMBRUSTER
Bilder aus den Jahren 1979 - 2009
Dauer der Ausstellung: 09. Juli bis 12. September 2009

MANUEL HEYER (München)
Nachklänge - sfumato, Fotografische Arbeiten
Nikos Kontzialis
Überfahrt nach Korfu, Polaroids der neunziger Jahre

ROCCO PAGEL (Berlin), [*1973]
Herstellung der Natur - Neue Malerei
Malerei
09.11.2007 - 1.1.2008
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog

BLUMENAQUARELLE
UM 1800 PFLANZENFOTOGRAFIE DES 19. JAHRHUNDERTS
NATURSELBSTDRUCKE WIEN UM 1855
Bilder


WERNER MANTZ
[1901-1983]
Das Vibrieren der Hauskante
Fotografien von Bauten und Objekten
1925 bis 1938

SIGRID NEUBERT
Die Natur baut Bilder
Fotografien um 1970

MICHAEL  VOGES
[1953-2002]
Die romantische Sonne
Arbeiten auf Papier
28.Juni 2008 bis 16.August 2008
Text von Christian Pixis über Michael Voges


CHRISTIAN SKREIN

Fotografien 1968Künstlerporträts und Modefotografie
04.April bis 30.Mai 2008
Text von Margit Zuckriegel über Christian Skrein


ASGER JORN [1914–1973]
Holzschnitte, Radierungen, Lithographien
28. Februar bis 29. März 2008


MORIZ MELZER
(1877-1966)
Monotypien und Linolschnitte
21.09. bis 5.11.2007


ALFRED KREMER (1895-1965)
Gestalt-Zeichen, schwarze Gouachen, 1962-1965
11.12.2007-18.1.2008


ROCCO PAGEL (Berlin), geb.1973
Hier - Landschaften
Malerei
09.11.2007 - 1.1.2008
Ausstellung hat sich aufgelöst durch Diebstahleinbruch am Neujahrstag 2008
Text von Friedrich Weltzien über Rocco Pagel, im Oktober 2007

 

KARIN SZÉKESSY
Fotografien aus den siebziger Jahren
Galerie Christian Pixis im Haus Chelsea
Hans-Hansen-Way 10, 25999 Kampen/Sylt
20. 7. bis 15. 9. 2007


TILO KEIL
(1931-1969)
Fotoarbeiten, Zeichnungen, Collagen
22.6. bis 14.8.2007


Gesine Braun
SIE WIRD DEIN SPIEGEL SEIN
 


Panos Mylonas
REPRÄLITHIC
Eisenskulpturen

Panos Mylonas REPRÄLITHIC
Knochen, Eisengraugüsse im Rohzustand
Giesserei Pfefferkorn, Landsberg a. Lech
jeweils 90 x 45 cm, 2009



Charles Gatewood
Marcia Resnick
William S. Burroughs
Brion Gysin


William S. Burroughs, 1914-1997,
gesehen von Charles Gatewood und Marcia Resnick,
Fotografien der 1970er-Jahre im Kabinett der Galerie Christian Pixis


Brion Gysin William s. Burroughs - DreamMachine, London 1972
DREAMMACHINE (rotierend vor geschlossenen Augen ihres Erfinders Brion Gysin
und William S. Burroughs, Fotografie von Charles Gatewood, London 1972)

 

Zur Eröffnung der Ausstellung am Donnerstag, dem 17. Dezember 2009
sind Sie und Ihre Freunde herzlich eingeladen.

Ausstellungsdauer
18. Dezember 2009 bis 16. Januar 2010

 



JIRKA PFAHL

it's all cool

23. Oktober bis 12. Dezember 2009

Jirka Pfahl 'it's all cool' Ausstellungsansicht
Jirka Pfahl 'it's all cool' Ausstellungsansicht, Foto: Barbara Donaubauer


Jirka Pfahl
verdoppelt die Bauweise des vorgegebenen Ortes, verschiebt die
Beschaffenheit von Parkett zu Laminat, schichtet auf. Der Aufbau
schmiegt sich der Autorität des Originalen an. Indem Pfahl die gefundene
Struktur nicht verläßt, wird seine Kopie klar hinter dem Original
eingereiht. Typisch.

Boden, Wand, Raumtrennung, Durchgang versperrt. Drei große Glasscheiben
stehen schroff monolithisch im Raum, tragen ein Zitat von Thom Mayne,
welches in seiner Rigorosität synonymisch den Geist postmoderner
Architektur trägt. Die Moderne neu schreiben, hinter sich lassen,
eingetretene Pfade verlassen, könnte die Devise dieses auch für
künstlerische Zwecke einsetzbaren coolen Abgesangs in alle Richtungen
sein. Bloß nicht der eigenen „Führerschaft“ (Mayne) abrücken, könnte man
auch lesen. Ein Zwittertext aus Leben in Freiheit oder dem aufgesetzten
Affront gegen den Motorentakt. Das ist der Inhalt, doch gibt es auch
eine Form.

Lesbares verschwindet in konkave, gleichschenklige Dreiecke, in die der
dreisprachige Text einfliesst. Hard Edge oder aufgeweichte Wiederholung?
Von nun an können wir uns treiben lassen, ein Element ist gefunden -- den
übrigen Raum in allen Facetten mit Ornament zu überziehen. Modul 301,
Modul 303 und die Vor-Ort entwickelte Kabelbinderschwebung runden den
ersten Raum ab, reizen bis zur Überfüllung. Hinten kommen Klassiker.

Bevor wir jedoch losgelassen werden in den sanften Kanon des Schauens,
haben wir den Sonnenfleck schon im Auge; konvex; gleichschenklig.
Kellyerased.

Notiz am 15.10.2009, J. P.


Jirka Pfahl 'it's all cool' Ausstellungsansicht
Jirka Pfahl 'it's all cool' Ausstellungsansicht; Foto: Barbara Donaubauer

 

ab 29.09. - 17.10.


Rocco Pagel "Spaziergang"
2009
Kleine Wolkenbilder und Landschaften

Rocco Pagel - Spaziergang

Burkhard v. Harder "Morto in Italia"
2006/2007
Grab-Bildnisse aus Venedig, Sardinien und Palermo

Burkhard von Harder - Morto in Italia

               insert/___________________

Alle? Blobel: alle! Panorama für Litauen (Ausschnitt),
Ortsspezifische Fotoinstallation, Fotografie 2004-2008

BvHarder_panorama
Pigmentprint auf Somerset Velvet von Nash Editions/CA, 110 X 440 cm,
Auflage 5/5
www.unearthing-project.org

 

Ludi Armbruster
Bilder aus den Jahren 1979 - 2009
Dauer der Ausstellung: 09. Juli bis 12. September 2009


Ludi Armbruster Der Fallende 1992
Ludi Armbruster, Der Fallende, Kreide und Acryl auf Leinwand, 1992, 145 | 118 cm

 

Manuel Heyer
Nachklänge sfumato
Fotografische Arbeiten

Mauel Heyer sfumato -spiegel2-
Manuel Heyer, Spiegel 2, 2006, Giclée Pigmentdruck, 50 | 90 cm




Nikos Kontzialis
Überfahrt nach Korfu
Polaroids der neunziger Jahre
Nikos Kontzialis - polaroids der 90er jahre
Nikos Kontzialis, Liebespaar, Polaroid, 1992

 

 



ROCCO PAGEL
HERSTELLUNG DER NATUR - NEUE MALEREI

am 18. Februar 2009 um 18 Uhr
laden wir Sie herzlich ein.

Dauer der Ausstellung vom 19. Februar bis 23. März 2009

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Pagel, Zypresse, 2009
Zypresse 170 x 110 cm, Öl und Eitempera auf Leinwand, 2009

 

BLUMENAQUARELLE UM 1800 PFLANZENFOTOGRAFIE DES 19. JAHRHUNDERTS
NATURSELBSTDRUCKE WIEN UM 1855

ZEIGT DIE GALERIE CHRISTIANPIXIS
VOM 6. DEZEMBER 2008 BIS ZUM 24. JANUAR 2009



Caroline Friederike Friedrich (1749 – 1815), Kapuzinerkresse , Aquarell auf Bütten, um 1800, 15,7 : 19,2 cm


Charles Victor Famin (geb. 1809, tätig in Fontainebleau), Wegmalve , Albuminabzug, um 1860, 23,2 : 17,4 cm



K.u.K. Hofdruckerei Wien, Naturselbstdruck nach Alois Auer, Pteridiumaquilinum (Adlerfarn), um 1855, 58 : 41 cm



K.u.K. Hofdruckerei Wien, Naturselbstdruck nach Alois Auer, Rumex maximus (Riesenampfer), um 1853, 48 : 40 cm

 

WERNER MANTZ [1901-1983]
Das Vibrieren der Hauskante

Fotografien von Bauten und Objekten
1925 bis 1938


Ausstellungsdauer: 8.OKTOBER 2008 - 28. November 2008


im Keller der Schule Köln-Zollstock, 1929, Bromsilberabzug sepiagetönt, 23 : 16 cm, 1929

 

Werner Mantz, der Lichtbildner
Wollte man die Besonderheit der bildnerischen Sprache von Werner Mantz auf den Punkt bringen, ihn gleichsam plakativ von anderen Fotografen seiner Zeit abheben, wäre sicherlichseine ganz spezifische Art, mit Licht zu arbeiten, Licht als prägendes Gestaltungsmittel seiner Bilder einzusetzen,zu nennen. Er war sich dessen auch selbst bewußt, stimmte sogar seine Werbung darauf ab, in der erformulierte: „Lassen Sie die Sonne für sich arbeiten! Geben Sie den Wolken einen Auftrag! Sonne und Wolkenmachen oft mehr an einem Bilde als ich.“ In der Tat, er war ein Professional, der ausschließlich im Auftrag arbeiteteund auch Werbung als Mittel für sich einsetzte. | Ein wichtiger Aspekt scheint mir zu sein, daß seine Architekturfotografie bezüglich Standpunktwahl und dem damit verbundenen Verlauf der Fluchtpunkte, der von ihm bevorzugten starken Untersicht und der perspektivischen Verkürzungen eine starke Nähe zu Architekturentwürfen zeigt. Was heute filmisch mit Minikameras geleistet wird, daß man sich gleichsam in Augenhöhe durch Architekturmodelle bewegt, als ob man hindurchlaufen würde, versuchte die räumliche Zeichnung durch übersteigerte Perspektive zu erreichen. Genau dies vollzog Werner Mantz mit seiner kurzen Brennweite. In seinen besten Arbeiten, die ihm immer dann gelangen, wenn ihn auch die Architektur entsprechend herausforderte, arbeitete er mit Hilfe von Licht und Schatten das Wesentliche der Architektur heraus, erschloss er uns deren Essenz. | Reinhold Mißelbeck | (Aus: Werner Mantz, Vision vom Neuen Köln, Köln 2000)


Ausstellungen (Auswahl)

2001 wegen van Werner Mantz, Kunstcentrum Marres, Maastricht
2000 Werner Mantz,Vision vom Neuen Köln, Museum Ludwig, Köln
1990 Werner Mantz, Fotograaf, Gouvernement Maastricht
1982 Retrospektive, Museum Ludwig Köln
1981 Bonnefantenmuseum, Maastricht
1980 Galerie Pfennings, Eindhoven
1979 Bahnhof Rolandseck
1978 Retrospektive Rheinisches Landesmuseum, Bonn
1977 Felicity Samuel Gallery, London
1976 Galerie Lichttropfen, Aachen
1931 XIIIe Salon international d`art Photographique de Bruxelles
1930 Kölner Kunstgewerbeverein „Gezeichnet und geknipst”.


Einfahrt zur ADA Käsefabrik Köln-Rodenkirchen, Bromsilberabzug sepiagetönt, 16,5 : 23 cm, 1929


Treppenhaus der Schule Köln-Zollstock, Bromsilberabzug, 17,5 : 23 cm, 1929

Die Dinge … | … waren es, die sich dem Fotografen Werner Mantz entgegenstellten: In der Jugend das alte Köln und wenig später die zeitgenössische Architektur in seiner Heimatstadt und die der südlichen Niederlande.Die Dinge sollten, und das beginnt unmittelbar während der Zusammenarbeit mit Architekten, auf den Fotografien ihr Eigenleben führen. | Werner Mantz' Bilder der gebauten Moderne wurden geschaffen für dieÖffentlichkeit und sie bleiben geheimnisvoll wie die vibrierenden scharfen Hauskanten der Wohnsiedlung in Köln-Ehrenfeld von Helmuth Wirminghaus. | Der am Ort des Geschehens und in der Dunkelkammer zauberndeFotograf lässt den Sachen Raum und er führt vor, daß wir nicht alles zu verstehen haben: Die Butterverpakkungsmaschinebei Stüssgen wird fotografiert als ein dynamisches, sich in einen futuristischen Konstruktionswirbel selbst verschnürendes Objekt bei der Arbeit, der wesentliche Ablauf bleibt dem Betrachter verborgen.Und obgleich die Objektivität der Maschine auf Papier abgezogen ist, wissen wir nun um die Seele der Maschine, die wir nicht sehen können, wie uns in der Kunst der Neuen Sachlichkeit das Innenleben der Kakteen auf den Fotografien von Josef Lauschmann oder den Gemälden von Georg Scholz verborgen bleibt. | Im Inneren der Gebäude rauscht, durch Fenster gefiltert, Naturlicht dem Betrachter entgegen und trotz der Enge des Hausflurs hat Werner Mantz bei der Aufnahme des Treppenhauses Villa Twickel auf künstliches Licht verzichtet; eine mit den Filmkulissen der Zeit verwandte Situation ist entstanden (nachbarschaftlich zum collagenartig aufgefächerten Merzbau von Kurt Schwitters, 1924). Die Hausbewohnerin steht hinter der Türe und ist nur zu ahnen. | Der Fotograf hat das gestalterische Denken der Architekten erfasst, er hat einfach nochmal gebaut, den expressiven Ton, die Sachlichkeit, die reizvolle Hülle, die Seele der Moderne. | Die Architekten ließen ihn gestaltend mitarbeiten, denn sie ahnten, daß er ihre Bauten noch einmal bauen konnte – für die Ewigkeit undauf Papier. | Christian Pixis | 2008

SIGRID NEUBERT

Wildbach #1 S. Neubert
Wildbach #1, Silbergelatineabzug, Vintage Prints 1968-71, ca. 28 : 40 cm

Wildbach #2 S. Neubert
Wildbach #2, Silbergelatineabzug, Vintage Prints 1968-71, ca. 28 : 40 cm

 


MICHAEL  VOGES

[1953-2002]

Die romantische Sonne
Arbeiten auf Papier

AUSSTELLUNGSDAUER: 28.JUNI 2008 - 16.AUGUST 2008



 "Das große Rot" Tempera auf Papier, 75x100cm, 1991
Michael Voges "Das große Rot" Tempera auf Papier, 75x100cm, 1991

Michael Voges "Herz und Mond" Tempera auf Karton, 80x105cm, um 1993
Michael Voges "Herz und Mond" Tempera auf Karton, 80x105cm, um 1993

Michael Voges "Mit Blüte" Tempera auf Papier, 73x101cm, 1989
Michael Voges "Mit Blüte" Tempera auf Papier, 73x101cm, 1989

Michael Voges
geboren 1953 in Kirchmöser bei Plaue an der Havel, 1972-1976 Studium für Kunsterziehung und Deutsch an der Humboldt-Universität Berlin, ab 1977 Zeichenlehrer und Lektor, als Künstler Autodidakt mit wichtigen Anregungen aus dem Werk von Werner Heldt und Otto Niemeyer-Holstein. In den achtziger Jahren Ausstellungen von Arbeiten auf Papier in Privatwohnungen und in der Galerie Weißer Elefant (Ost-Berlin) . 1987 Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR. Es entstehen im Eigenverlag herausgegebene Hefte mit Graphiken in Zusammenarbeit mit Lyrikern wie Elke Erb, Rainer Schedlinski, Andreas Koziol, Heike Drews u.a. 1988 – 1991 Meisterschüler bei Wieland Förster an der Akademie der Künste Berlin; 1991 Geburt der Tochter Luna, 1992 Stipendium der Stiftung Kulturfonds, 1993 Stipendium Schloß Wiepersdorf; Reisen nach Rom, Südfrankreich, Skandinavien, zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland bis 1997. Michael Voges ist nach langer Krankheit 2002 in Berlin verstorben.


Ausstellungen (Auswahl)

1997 Brecht-Haus Weißensee, Berlin
1997 BfG Bank, Berlin
1996 Galerie Joachim Pohl, Berlin
1995 Galerie im Turm, Berlin – Prenzlauer Berg
1995 Volksbank Berlin, Berlin (Beteiligung)
1994 Galerie im Kabinett, Berlin
1994 Capital Berlin, Sacramento, USA (Beteiligung)
1993 Jahresausstellung Schloß Wiepersdorf (Beteiligung)
1993 Meisterschüler der Akademie der Künste, Marstall, Berlin (Beteiligung)
1993 Galerie Weißer Elefant, Berlin
1992 Kiez International 11 Künstler aus Prenzlauer Berg, Glarus
1992 Kunstfabrik Lehrter Strasse, Berlin
1991 Werkstattgalerie Haus 23, Cottbus
1991 Verlag Christian Pixis, München-Laim
1991 Akademie der Künste am Pariser Platz, Voges – Colden – Lammert, Berlin
1990-1991 Change of Gait – Zehn Maler aus der DDR in den USA, New York u.a.
1990 Schloß-Galerie, Bonn
1990 Friedrich Naumann-Stiftung, Königswinter
1989 Galerie Alter Markt, Halle
1988 Galerie Weisser Elefant, Berlin (Ost)


Literatur
Rainer Schedlinski, die verneinungen biegender wege, in: Faltblatt zu Ausstellung Galerie Weisser Elefant, Berlin 1988
Gerd Haenel, Michael Voges – Meisterschüler an der Akademie der Künste, Ost-Berlin im Gespräch, Kunstforum Bd. 109, Köln 1990, S. 228 f. (mit zahlr. Abb.)
Christoph Tannert, Die Realität des Anderen (Einf.), Schrittwechsel 1990 – Künstler aus Berlin und Dresden, u.a. mit zahlr. Abb. zu Michael Voges
Lothar Lang, Berliner Montmartre – Künstler vom Prenzlauer Berg, Bln. 1991; zu M. Voges S. 26 f (mit Abb.)
Jörg Sperling, Verstecke, von denen her man Aussicht halten kann (zu Michael Voges), in: Th. Flierl (Hrsg.), Kiez international – 11 Künstler aus Prenzlauer Berg in der Schweiz, Ausst.-Kat. Glarus 1992, mit zahlr. Abb. zu M. Voges
J. John (Hrsg.), Akademie der Künste (Ost-Berlin) -15 Meisterschüler, Malerei – Graphik – Plastik, Berlin 1993
E. Noack, Doris Sossenheimer (Hrsg.), Wiepersdorf 1993 (Katalog), u.a. mit zahlr. Abb. zu Michael Voges
Jens Semrau (Einführung), Michael Voges, Arbeiten auf Papier (Katalog), Brecht-Haus Weissensee, Berlin 1997, mit zahlr. Abb.
Klaus Hammer, Blau strahlt nach Innen, Arbeiten von Michael Voges im Brecht-Haus Weißensee, Der Tagesspiegel, 23. November 1997
Jens Semrau, Nachruf auf Michael Voges, Friedhof St. Bartholomäus, Berlin 2002, ungedrucktes Typoskript
Christian Pixis, Michael Voges 1953-2002, Friedhof St. Bartholomäus, Berlin 2002, ungedrucktes Typoskript
David Ensikat, Michael Voges, geb. 1953 -Er lebte an der DDR vorbei und gehörte mitten hinein (Nachruf), Der Tagesspiegel, 12. April 2002


Foto aus Lang (auf Papier) per Post
Christian Pixis
Vor Zeiten, mit Voges

Vor Zeiten, in den achtziger Jahren, wanderte ich mit Michael Voges gerne an der Havel, wir hatten Sand in den Schuhen, unsere Hosen waren staubig, Voges hatte Brot in der Tasche und lockte die Enten; er war betrübt, weil wieder ein Weg umgeleitet wurde, und wieder eine Strasse asphaltiert und die Schleuse geschlossen war. Die Enten liessen sich die Havel runtertreiben, endlos lang, wie im Traum. Wir genossen das lichte Grün, das Liebermannsche Licht, wie wir es nannten, das bis zur Lindenblüte zu sehen ist. In den Bildern von Michael Voges kommt dieses Licht nicht vor. Es waren die Berliner Stadtlandschaften der Nachkriegszeit im Werk des Malers Werner Heldt, von denen sich Michael Voges angezogen fühlte. Voges liebte die grauen Hausfassaden, die Brandmauern und die Brachflächen, die bis in die Mitte der neunziger Jahre das Bild Berlins prägten.
Zurückgekehrt in die Wohnung des Malers in der Ostberliner Bornholmer Strasse, tranken wir Tee und woben ein Netz aus Lese- und Seherlebnissen. Voges zeigte mir seine Ausgaben aus dem Kurt Wolff Verlag, las Gedichte von Gottfried Benn und dem vergessenen Jesse Thor. Ich berichtete von Treffen der Fluxus-Künstler in Wiesbaden und  von Bildern Cy Twomblys, den Voges schätzte. Voges habe ich als Leser kennengelernt, als Liebhaber des Papiers mit Kenntnissen vom Büchermachen, speziell zur Typographie. In jener Zeit machte Michael Voges Bücher in geringen Auflagen mit Radierungen, Siebdrucken und Holzschnitten zu Lyrik von Andreas Koziol (1985), Rainer Schedlinski (1986), Heike Drews (1988) und Elke Erb (1988). Ich saß in einem Sessel, dessen Armlehnen zerfetzt waren von den Attacken eines schwarzen Katers und betrachtete die Gouachen und Collagen von Voges, die als Inselwelt der inoffiziellen Kunst der DDR auf dem dunkelroten Holzboden schwammen.
Um 1987 gab es eine Verwandlung im Werk von Michael Voges. Die konkreten Stadtflächen lösten sich auf, die Stadtlandschaft verlor ihre Perspektiven; Voges spürte, daß sich in der Abstraktion ein Gleichgewicht der Flächen herstellen kann, das sich zu den inneren Landschaften, zu inneren Bildern fügt, die jeder Mensch in sich trägt. Es sind die Orte der Tag- und Nachtträume, ohne die wir aus der Welt fielen. „Pleistozän“, diesen Begriff hat der Maler für seine innere Landschaft gefunden: die Landschft der Erde vor dem Auftauchen der Menschen. Über seine Bilder gab Michael Voges 1990 Auskunft: „Ich wollte dann die reine Abstraktion, keine Geschichten, nichts. Sondern wirklich Reinheit haben, ohne aber genau zu wissen, was es ist und was es bedeutet. Beim Zeichnen konnte ich es mir wirklich deutlich machen. Da habe ich viel nachts gezeichnet... Wenn das geklappt hat, hatte ich ein Gefühl, als wenn ich meine Fingerkuppen kappen würde und rein mit Nerven zeichne... Ich setze Farbe gegen Farbe und irgendwann war dann doch ein Horizont und ein Himmel. Und das war alles sehr weit, so karg wie die Tundra, ich konnte darin frei operieren. Konnte dort auch Zeichen unterbringen, Blütenherzen, irgendwas. Das war die neue Bildlogik. Ich konnte in diesen Bildern gut spazieren gehen, hatte dann das Gefühl, mich immer noch mit rein zu setzen, als Hund, oder auch als Figur. Ich konnte den Bildraum damit noch einmal konkret machen und wusste dann zum Schluß auch immer, wo ich gerne wäre. Und als was ich da gerne wäre. Also mitunter auch als Tier“. (Michael Voges im Gespräch mit Gerd Hänel, Kunstforum 109, 1990.). Im Sommer 1990 sehe ich den Körper des Malers im hohen Gras zwischen den Ruinen von Ostia liegen. Katzen umschleichen ihn wie ihre Beute, die eine oder andere legt sich in seine Nähe. Vorangegangen war ein Spaziergang durch Ostia Antica, die Hände des Malers berührten den Marmor, Michael Voges war empfänglich für die Oberflächen der lebendigen Antike. Die Orte aus früherer Zeit hat Voges gebraucht, dort hat er gelebt, sie sind, verwandelt in gegeneinander stehende Farben, als Erde, Horizont, Wände, Himmel und als rotes, „ausgegossenes Himmelslicht“ (Voges) auf seinen Bildern zu sehen. Die konkrete Welt ist in Schockwellen in den Melancholiker eingedrungen, Michael Voges hat seine Zeit in sich aufgenommen, ohne ihre Gegenstände realistisch zu benennen.
Menschen, die Voges wichtig waren, hatte er gerne allein um sich und er brauchte sie für sich allein. Manchmal sprach er über Freunde, die in den Westen entsprungen waren und ihre neuen Verhältnisse, die er selten gut hiess. In solche Reden stellte er Sehnsuchtsorte hinein, wie rote, tränende Herzen: Paris, Venedig, Rom, Neapel. Michael Voges hat in den neunziger Jahren diese Orte besucht, dort zu beobachten und zu zeichnen gefiel ihm. Seine Malerei wurde farbiger, das dunkle Englischrot verwandelte sich in unterschiedliche, richtig grell leuchtende Rotflächen in die Monde, Herzen, Blüten oder Buchstaben fallen. Das Ocker wird ein Terrain: Farbton des Niemandslands, der Sandwüste zwischen den Mauern, Voges hatte von 1988 bis 1991 sein Atelier im Rückgebäude der Akademie am Pariser Platz. Immer leuchtender werden die Rot, erreichen Mitte der Neunziger Jahre ihre höchste Farbigkeit und verlöschen dann wie ein vom Himmel fallende Kometen. Es folgen schwarze Tuschen, dunkle Welträume, schwarze Herzen, schwarze Blüten, schwarze Vögel in poetischen Zimmern, mit denen er Lyrikbände illustriert (Ursula Benka, Die Bestie und die Seele, München 1997; Jacques Roubaud, Etwas Schwarzes, Berlin 2000) und dann ohne weiterzumalen, als Leser in die Welt der Texte zurückfällt.
(2008)



Christian Skrein

Fotografien 1968
Künstlerporträts und Modefotografie
04.April bis 30.Mai 2008
KATARINA SARNITZ – AUF DEM BODEN DER BOUTIQUE CM

Text von Margit Zuckriegel über Christian Skrein


Margit Zuckriegl - CHRISTIAN SKREINS BILDERWELTEN DER 1960ER JAHRE

War es zunächst die Begeisterung für das publizierte Bild in den führenden Zeitungen und Magazinen der 1960er Jahre, so war es später der bohemienhafte Umgang mit den Künstlern, Designern, Architekten der wilden Jahre um 1968, der ihn interessierte. Eine Aktion wurde geplant, eine Ausstellung vorbereitet, eine Selbstinszenierung im Atelier gestellt, ein Plakatmotiv benötigt - Christian Skrein war da, seine Kamera kam zum Einsatz, weil er anwesend war, weil er dabei war, als alle diese Dinge ausgeheckt wurden, weil er Freund und Vertrauter war, einer von ihnen – und einer, der an ihrem Leben wie an ihren normsprengenden Kunstaktionen teilnahm … Viel von dem was er in Wien, New York, in anderen Städten auf der Strasse antraf, fand Eingang in seine Bildsprache für die inzwischen berühmten Werbe-und Modefotos, viele Personen, denen er begegnete, waren stilbildend für die Psychologie seiner Bildszenarien. Oft werden in den Modefotos die Models in städtisches Ambiente oder in Architekturfragmente integriert, werden in Quasi-Ensembles hineinkomponiert, sodass sie gleichsam eine Geschichte erzählen … Die Straße als Folie für fashion-photography ist auch in den 1960er Jahren nicht mehr neu, dennoch bietet sie einem Fotografen mit dem analytischen Scharfblick und dem Hang zur poetisch-dramatischen Überhöhung ganz neue Möglichkeiten: Skreins Figuren sind jeweils wie einer Science-Fiction-Filmszene entsprungen, seltsam fremd und gestrandet in ihrer Isoliertheit und nur zufällig in etwas gewandet, das sie nicht vorführen, sondern das höchstens dazu angetan ist, ihre Persönlichkeit zu unterstreichen. Dazu gehört selbstverständlich der »Look der Sixties«, der die Frau zwischen Barbie-Puppe und Diva, zwischen unangepasstem Hippie-Girl und extravaganter Femme fatale ansiedelt … Und zusätzlich ist es noch eine subkutane Ironie, mit der das gesamte fotografische Schaffen von Christian Skrein umgeben ist. Er kreiert einmal in den oft aberwitzigen Bildinszenierungen, zum anderen Mal in den Bildkommentaren und Titeln eine Atmosphäre des Unwirklichen und Unernsten …

Aus dem Text »Auf der anderen Seite der Normen«, erschienen im Katalogbuch »Christian Skrein – My Way«, Verlag Christian Brandstätter, Wien 2008




Asger Jorn
[1914–1973]
Holzschnitte, Radierungen, Lithographien

 Asger Jorn *der Wal*

28. Februar bis 29. März 2008

Zur Druckgraphik von Asger Jorn erscheint in Art Lover 3 [Frühjahr 2008]
ein Beitrag von Ursula Lehmann-Brockhaus.


ALFRED KREMER (1895-1965)
Gestalt-Zeichen, schwarze Gouachen, 1962-1965
11.12.2007-18.1.2008
Alfred Kremer, Streitbare Amazone, Gouache, 1965, 12X17,7 cm
Alfred Kremer, Streitbare Amazone, Gouache, 1965, 12X17,7 cm


bis 5.11.2007
MORIZ MELZER (1877-1966)
Monotypien und Linolschnitte
Moriz Melzer, Frauenfigur, mehrfarbiger Linolschnitt auf Japan, um 1923 28X24 cm
Moriz Melzer, Frauenfigur, mehrfarbiger Linolschnitt auf Japan, um 1923 28X24 cm


Moriz Melzer, Rosa Figur, Monotypie auf Japan, um 1920, 47X35 cm
Moriz Melzer, Rosa Figur, Monotypie auf Japan, um 1920, 47X35 cm


ab 9.11.2007

ROCCO PAGEL (Berlin), geb. 1973
Hier - Landschaften
Malerei
9.11.2007  bis 1.1.2008
Ausstellung hat sich aufgelöst durch Diebstahleinbruch am Neujahrstag 2008

Rocco Pagel, Die Eroberer, Öl auf Leinwand, 2007, 140X260, Galerie Christian Pixis
Rocco Pagel, Die Eroberer, Öl auf Leinwand, 2007, 140X260, Galerie Christian Pixis

Rocco Pagel, Herzkammergut, Öl auf Leinwand, 195X130 cm, Galerie Christian Pixis, gestohlen am Neujahrstag 2008, Verbleib unbekannt
Rocco Pagel, Herzkammergut, Öl auf Leinwand, 195X130 cm, Galerie Christian Pixis,
gestohlen am Neujahrstag 2008, Verbleib unbekannt


Rocco Pagel, Parkbaum, Öl auf Leinwand, 2007, 195X130 cm, Privatbesitz London
Rocco Pagel, Parkbaum, Öl auf Leinwand, 2007, 195X130 cm, Privatbesitz London

Rocco Pagel, Südsee, Öl auf Leinwand, 2007, 140X260 cm, Galerie Christian Pixis, gestohlen am Neujahrstag 2008, Verbleib unbekannt
Rocco Pagel, Südsee, Öl auf Leinwand, 2007, 140X260 cm, Galerie Christian Pixis,
gestohlen am Neujahrstag 2008, Verbleib unbekannt

Rocco Pagel, Who can turn the skies back, Öl auf Leinwand, 2007, 195X130 cm, Galerie Christian Pixis
Rocco Pagel, Who can turn the skies back, Öl auf Leinwand, 2007, 195X130 cm,
Galerie Christian Pixis, gestohlen am Neujahrstag 2008, Verbleib unbekannt

Rocco Pagel, Ausblick von oben, Öl auf Leinwand, 2007, 1995X130 cm
Rocco Pagel, Ausblick von oben, Öl auf Leinwand, 2007, 1995X130 cm


VITA Rocco Pagel

* 1973 in Ostberlin.1990 Übersiedlung nach Wien, 1991 nach Rennes.Autodidaktisches Studium der Malerei, erste Ausstellungen und Projekte in Deutschland, Österreich, Tschechien und Frankreich. Ende 1992 Rückkehr nach Berlin, freiberuflich als Maler mit zahlreichen Ausstellungen, Musik-, Film- und Theaterprojekten. 1997 bis 2002 Studium der Malerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, ab 1999 bei Prof. Hans Peter Adamski, 2002 Diplom, Reise nach Neuseeland auf Einladung der Muka-Gallery in Auckland, dort Lithografie-Edition und Einzelausstellung. 2002 bis 2004 Meisterschüler bei H. P. Adamski.2005 Übersiedlung nach Berlin
Von 2005 bis 2007 Dozent für Malerei an der HfBK Dresden
2007 Gastprofessur für Malerei an der HfbK Dresden
Rocco Pagel lebt und arbeitet in Berlin-Weissensee.
Zahlreiche Preise, Stipendien u.a. Stiftung Kulturfonds, Berlin 1997.


In der Kraft liegt die Ruhe
Friedrich Weltzien, im Oktober 2007
Neue Landschaften von Rocco Pagel in der Galerie Christian Pixis

"Kraft" das ist vielleicht der erste Begriff, der mir beim Anblick von Rocco Pagels neuen Gemälden in den Sinn kommt. Stürmisch geht es zu in den Landschaften und Seestücken: zerzauste Bäume, aufgewühlte Brandung, gejagte Wolkenfetzen. Es ist eine wilde Natur die den Betrachter der großen Leinwände in ihren Bann schlägt. Wild und gefährlich, denn immer wieder blitzen blanke Knochen und kahle Schädel durch die wuchernde Vegetation.
Hier wirken Kräfte, das ist zu spüren, die leicht ins Verderben führen können. Selbst ein Bildtitel wie "Parkbaum" bezeichnet keine gepflegte Anlage, keinen heiteren Schattenspender für unbeschwerte Müßiggänger. Eher wie die Tentakel eines Kraken windet sich der beinahe astlose Stamm nah am Boden, ein Krüppelwuchs wie auf Felsengipfeln oder nährstoffarmem Steppenboden. Oder ist es doch der Arm eines Ertrinkenden, hilflos einem schwarzblauen Himmel entgegengereckt, der an expressionistische Schrecken wie Ludwig Meidners "Apokalyptische Landschaften" erinnert?
Auf den Leinwänden schieben sich vereinzelte Sonnenstrahlen oder Regenbahnen diagonal durch fleckig verhangene Himmel, hinunter auf unwirtliche Gegenden, die ein Hochgebirge zeigen, eine raue Küstenregion oder eine womöglich unbewohnte Insel. Mit wuchtigen Gesten ist diese Natur in Szene gesetzt. Gebrochene Farben, warme Erdtöne, braun und grün, breiten sich über die Bildflächen aus, gelegentlich kontrastiert durch Partien aus schwefeligem Gelb oder hartem Kobaltblau. Kraftvoll sind die Pinselzüge, die Schwünge und gewischten Zonen: die Physis des Malaktes ist an jeder Stelle der Leinwand spürbar.
So körperlich ist der Farbauftrag, dass man den Eindruck gewinnt, diese Landschaften seien nicht eigentlich gemalt Pagel hat sie viel eher entstehen lassen. Die Ölfarbe scheint sich wie Moos und Flechten auf dem Bildträger ausgebreitet zu haben. Unschärfen, Ungefähres, Untiefen kommen so ins Bild. Eine eigenwillige Kraft entwickelt die Farbpaste, die durch Beimengung von Leinöl zu unterschiedlichen Viskositäten verdünnt wurde. Rocco Pagel liebt diese Ölfarbe, die lange Zeit, die sie zum Trocken braucht und die Möglichkeiten der Mischung und Interaktion, die sich dadurch ergeben. Viel mehr als Akryl oder andere Bindemittel bietet Öl diese Herausforderung, diese Zumutung, diese Widerspenstigkeit des Materials, die ein Bild zum Leben erwecken kann.
Das ist riskant: dieselbe Kraft, die aus einer bepinselten Leinwand ein Bild macht, kann es auch in einem einzigen Augenblick wieder zerstören. Mir scheint, genau aus diesem Risiko erwächst die Kraft von Pagels neuen Landschaften. Die Natur, die die Bilder zeigen, ist schön, weil sie gefährlich ist und die Malerei, die diese Landschaften hervorbringt, gehorcht dem gleichen Prinzip. Das Malen und das Durchstreichen, das Entstehen und das Absterben beides ist abhängig von einander, beides steht in Analogie zu einander. Wie gelingt dem Maler dieses Kunststück? Die Raumtiefe der Ausblicke entsteht nicht durch perspektivische Konstruktion, sondern allein durch Farbwerte und die Staffelung sich gegenseitig verdeckender Formen. Deshalb kommt die Gestaltung auch nahezu ohne Linien aus. Was er uns zu sehen gibt, macht Pagel aus amorphen Flächen. Umso stärker fällt der Kontrast ins Auge, der von den wenigen, eigentümlichen, aber sehr charakteristischen Lineaturen stammt. Wie barocke Arabesken oder kalligraphische Ornamente ranken sich Schnörkel und Voluten über alle Leinwände.
Es fällt auf, dass diese Linienzüge ausschließlich in der Landschaft, nie im Himmel zu finden sind. Und sie scheinen einer Perspektive zu gehorchen: Im Vordergrund sind sie breiter und detaillierter als im Mittelgrund. Zum Beispiel in der eindrucksvollen Bergansicht "Aprés-Ski". Was sind diese Rankenwerke? Ausdruck einer Virtuosität, vergleichbar derjenigen von Rokokomeistern, die so auf Punzierungen oder Urkunden den Anschein reicher Festlichkeit erwecken wollten? Oder sind es mäandernde Trampelpfade, von weidenden Tieren auf der Alm zurückgelassen, oder wie der Titel nahe legt Spuren von Skifahrern auf der verlassenen Piste? Sowohl als auch und weder noch: Zuallererst sind diese Linienranken Kontrastmittel, die sich den Nebelzonen und dunstigen Fernen entgegenstellen.
Auf anderen Bildern dieser Ausstellung könnte man die Voluten als Lichtreflexe auf einem Wellenkamm oder auf Sumpfwasser verstehen, als ein Rinnsal am Ufer oder als Strukturangabe einer rauen Felsoberfläche. In allen Fällen aber machen sie durch ihre Differenz den Farbauftrag der Flächen sichtbar. Sie steuern die Aufmerksamkeit des Betrachters und unterstützen damit die Wahrnehmung von unterschiedlich gemalten Partien: deckende Stellen, die sich von lasierenden unterscheiden, spröde Farbe gegen fette Farbe, mehrere übereinander liegende Schichten im Gegensatz zur durchscheinenden Grundierung. Das ist ein erstaunlicher Effekt: die Arabesken unterstützen gleichzeitig die Raumwirkung der Landschaften und machen auf die Gemaltheit des Bildes aufmerksam. Sie konstituieren und zerstören Illusion im selben Moment.
Rocco Pagel ist ein echter Maler, das erkennt man daran. Ein Maler, weil er sich mit genuinen Problemen der Malerei befasst. Es geht ihm primär nicht darum, eine Abbildung von etwas zu geben, sondern er arbeitet an der uralten Frage, wie man aus Farbe ein Bild machen kann. Wie sich Farbe verhält, wie Dinge vor unseren Augen entstehen und wieder verschwinden können, wie sich Tiefe auftut und wie beim Sehen sich Wirkungen entfalten. Wenn ein Gemälde entsteht, ist das wie ein Nebelschleier, der sich lichtet aber auch wieder zusammenziehen kann. An diesem Prozess kann man teilnehmen, wenn man Pagels Landschaften betrachtet. Farbschleier werden transparent und lassen einen Küstenstreifen erkennen, einen Gebirgszug oder einen Baum, dann ziehen sie sich wieder zusammen, und sind nur noch Farbe.
Dass sich die Schleier überhaupt öffnen, dass man überhaupt eine Landschaft sieht und nicht nur eine Farbimpression eine lyrische Abstraktion, wie man sie aus dem Tachismus kennt oder vielleicht auch von den sanfteren unter den abstrakten Expressionisten , dazu dient Pagel noch ein Merkmal, das viele dieser neuen Arbeiten gemeinsam haben: Es sind die Totenköpfe. Sie sind eine ikonographische Last, sie sind mit Bedeutung überladen, die von Golgatha bis memento mori, von der Paläontologie bis zur Pirateninsel reicht. Ist dieses Gewicht nicht zu schwer für das delikate Spiel aus Arabeske und Farbschleier? Ich glaube nicht, denn sie spielen eine wichtige Rolle im Wechselverhältnis von Farbe und Landschaft. Sie wirken wie Kristallisationskeime gegenständlicher Lesbarkeit. An ihnen kann sich das Auge festhalten, von hier aus in die Sümpfe und Wüsten auswandern, Räume ertasten, Felder erschließen. Gerade weil sie in unser aller musee imaginaire einen so prominenten Platz besetzen, eignen sich die Schädel so gut dafür, den Blick zu fangen und von hier aus auf Seh-Fahrt zu schicken. Damit erfüllen diese Elemente eine Funktion, die das Skelett auch im menschlichen Leib erfüllt: sie stabilisieren und geben Halt. Die Schädel sind in der Tat die Knochen im Fleisch der Farbe.
Das ist eine archaische Vorstellung von Landschaft: die Felsen sind ihr Skelett, die Erde ihr Fleisch, Wasserläufe die Adern. Romantiker wie Philipp Otto Runge und andere hatten die Idee, die Erde könnte ein sterbendes, ein verwesendes Geschöpf sein Landschaft ein Kadaver, ein Fossil. Sie konnten sich dabei auf geologische Theorien berufen, die den Schöpfungszustand der Erde als perfekte Kugel rekonstruierten. Das Leben aber, die Erosion, habe an ihr genagt. Alles Malerische, das Erhabene und Pittoreske, das die Romantik so liebte, wäre dann das Ergebnis einer allmählichen Ruinierung des Urzustandes. Dazu passt ganz gut, dass Naturforscher des 18. Jahrhunderts von einer paradiesischen Optik fantasierten: im Garten Eden müsse man eigentlich unendlich detailliert, unendlich scharf sehen. Der Nebel, das Vage, die Uneindeutigkeit würden damit auch zu den zutiefst irdischen Phänomenen gehören.
Fragt man Rocco Pagel nach seinen malerischen Vorbildern, nach Künstlern, deren Werk er hochschätzt, nennt er auch romantische Namen. Der Schweizer Landschaftsmaler Caspar Wolf gehört dazu, dessen Zeitgenosse Jean Leon Baptiste Sabatier oder der Skandinavier Peder Balke, eine Generation jünger. Ihnen allen gelingt, was auch Pagel will: mit malerischen Mitteln Landschaften hervorbringen, die nicht auf minutiöser Mimesis beruhen, sondern auf technischer Experimentierlust und eleganten Effekten. Wie Balke etwa mit geringstem Aufwand in kleinem Format den Eindruck von Nordlichtern auf die Bildtafel zaubert, das beeindruckt Pagel.
Im Gegensatz zu den Topographien Wolfs zeigen Rocco Pagels Leinwände allerdings keine konkreten, benennbaren Gegenden, die gar vor Ort entstanden wären. Zwar basieren die Bilder auf authentischen Erfahrungen gesammelt auf Reisen, die Pagel von den österreichischen Alpen über das Mittelmeer bis ins ferne Neuseeland geführt haben , die Präzision der Schilderung bezieht sich aber nicht auf die geografischen Gegebenheiten sondern vielmehr auf die Stimmung, auf die Atmosphäre eines Ortes.
Die beiden Bergbilder "Aprés-Ski" und "Sisyphossteig", die wie Pendants behandelt werden können, zeigen das exemplarisch: Die atemberaubende Felsnadel zeigt einen Idealtypus, der an die Matterhorn-Ikonographie erinnert, aus zwei unterschiedlichen Perspektiven, die verschiedene Stimmungen, vielleicht auch Jahres- oder Tageszeiten wiedergeben. Eine solch differenzierte Wahrnehmung sich wandelnder Erscheinung kann man in den Bergen tatsächlich machen, diese Landschaft aber existiert nirgendwo anders als in Ölfarbe auf Leinwand. Wenn man eine Parallele sehen möchte zwischen der Entstehung einer Landschaft und der Entstehung eines Bildes, wenn man wie es die romantischen Geologie dachte sich diesen Prozess als Ruinierung vorstellt, dann bedeutet Malen die ursprüngliche Weißheit der Leinwand zu zerstören. Man kann die Tatsache, dass die Helligkeit in Pagels Bildern nicht aufgesetzte weiße Farbe ist, sondern die durchscheinende Grundierung, so interpretieren. Je mehr Farbe aufgetragen wird, desto dunkler wird es, desto unschärfer, nebliger: schöpfen ist ruinieren, ruinieren ist schöpfen. Auch andere Stilmittel wie Kratzungen und Verreibungen passen in diese Lesart. Ist die Natur auch wild, ungezügelt und roh, als Bild wird sie ästhetisch erfahrbar, kontemplierbar so machen Pagels Naturgewalten keine Angst, sondern verströmen aus ihrer Kraft eine eigentümliche Ruhe.
Ein solches Bildverständnis erscheint seltsam unzeitgemäß. Diese Arbeiten zeigen nichts von den plakativen Modellen, den schrillen Farben und der aggressiven Gegenständlichkeit, die aktuelle Trends kennzeichnen. Die Kraft und Ernsthaftigkeit, sich auf die Malerei als Arbeit zu konzentrieren, macht Rocco Pagel zu einem der stärksten jungen Künstler dieser Tage.

Dr. Friedrich Weltzien, Kunsthistoriker geboren 1967 in Freiburg, Lehrtätigkeit an der UdK Berlin,
zahlreiche Publikationen, Aufsätze und Beiträge u.a.zu E. W. Nay (Diss. 2003 und Texte zur Kunst Juni 2003), Antje von Graevenitz (2005), Bruce Nauman und M. Barney (Hamburger Bahnhof Bln 2005), Cy Twombly (Hamburger Bahnhof, Bln. 2005), William Henry Fox Talbot (Marburg 2006), Baumeister, Schlemmer, Krause 1937-1944 (Kunstmuseum Stuttgart,2007).


KARIN SZÉKESSY
Fotografien aus den siebziger Jahren
Galerie Christian Pixis im Haus Chelsea
Hans-Hansen-Way 10, 25999 Kampen/Sylt
20. 7. bis 15. 9. 2007
Karin Székessy, Gruppe mit Nachmittagslicht, Fotografie, Vintage print, um 1972, 50,5X61 cm
Karin Székessy, Gruppe mit Nachmittagslicht, Fotografie, Vintage print, um 1972, 50,5X61 cm


TILO KEIL
Tilko Keil,Lippenkreuz, Fotoabzug von Negativcollage, Vintage print, um 1967, 39X30 cm
Tilko Keil,Lippenkreuz, Fotoabzug von Negativcollage, Vintage print, um 1967, 39X30 cm

Tilo Keil, Vogelakt, Fotoabzug einer Negativcollage, Farbpapier, Gouache, um 1966, 17X12 cm
Tilo Keil, Vogelakt, Fotoabzug einer Negativcollage, Farbpapier, Gouache, um 1966, 17X12 cm




Galerie Christian Pixis